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Heilige Kühe - Göttliche Tiere
… und ihn womöglich mit den Hungerzuständen, unter denen große Teile der indischen Bevölkerung zu leiden haben, in Zusammenhang zu bringen. Das umgangssprachliche Bild von der “heiligen Kuh” als etwas überflüssiger- und schädlicherweise Beschütztem spiegelt diese eurozentrische Sichtweise nieder. Die Probleme Indiens können sicher nicht durch die Schlachtung einiger zehntausend Rinder gelöst werden. Eine Umstellung der eher vegetarischen Ernährung des Durchschnittsinders auf den ökologisch wenig sinnvollen Rindfleisch- und Milchkonsum nach westlichem Vorbild würde eher das Gegenteil bewirken. Außerdem zeigt diese Sichtweise auch eine ignorante Überheblichkeit gegenüber den religiösen Traditionen der Inder.
Vielen hinduistischen Göttern sind Kühe oder Stiere als Symboltier zugeordnet. Kühe sind es auch, die die Toten sicher über den von Krokodilen wimmelnden Totenfluss Vaitarani ziehen. Vor allem aber gilt die Kuh, die “Aghnya - nicht zu Tötende”, als Sinnbild Nahrungsspendender Natur. Sie bewirkt rituelle Reinheit und verkörpert die Grundprinzipien “Adroha - Wohlwollen”. Für einen gläubigen Hindu ist es ähnlich unvorstellbar, eine Kuh zu essen, wie es der Normaleuropäer ablehnen würde, Menschenfleisch zu essen.
Der Pfingstochse
Pfingsten wurde und wird oft als Tag genommen, das Vieh zum ersten Mal im Jahr auf die Weide zu treiben. Das Rind, das den Zug anführt oder beschließt, trägt dabei traditionsgemäß eine Blumenkrone, bunte Bänder und eine Glocke. So entstand auch die vorwiegend auf Männer bezogene Redensart “herausgeputzt wie ein Pfingstochse”. Mit dem Vergleich des kastrierten Rindes könnte allerdings ein leichter Zweifel an der Männlichkeit eines Mannes, der durch Schönheit zu gefallen versucht, enthalten sein.
Die Milka-Kuh
Bereits 1901 gab es auf der Schokoladenverpackung der damals 75 Jahre alten Firma Suchard eine Kuh. Allerdings war diese unauffällig weiß. Lila war vorerst nur das Papier, auf das sie gedruckt wurde. Erst 1955 wurde die Kuh violett gefärbt. Dass ab 1972 eine echte, lebendige Kuh im Fernsehen erschien, ist ein Einfall der Werbeagentur Young & Rubicam gewesen. In den Zeitschriftenanzeigen wurde die ungewöhnliche Farbe nachträglich ins Bild retuschiert, aber für die Fernsehaufnahmen kolorierte man die Kühe direkt. Wasserlösliche und ausbürstbare Farbe wurde mit Schablonen auf die linke Kuhseite gemalt. Das schwierigste war der Schriftzug. Rund 20 Rinder ließen diese Prozedur allein bis 1992 über sich ergehen. Gestartet wurde die preisgekrönte Kampagne mit der mehrfach preisgekrönten Kuh Adelheid.
Bei den Fernsehwerbespots stand man anfangs vor einem Problem: da 1974 noch 3/4 aller Fernseher Schwarzweiß-Geräte waren, kamen weder das saftige Grün des Grases noch die violetten Flecken der Kuh zur Geltung. Um die “lila Kuh” trotzdem in den Köpfen zu verankern, wurden kostenlose Pappbrillen, durch die man lila sah, verteilt und ein Preisrätsel veranstaltet.
Die 20jährige Werbekampagne war ein durchschlagender Erfolg. Eine Umfrage, die Anfang der 90er Jahre in Kindergärten durchgeführt wurde, ergab, dass gut die Hälfte aller Kinder glauben, Kühe wären überhaupt und generell lila.
Von allen Kuhmodels, die je für Milka geworben haben, ist Schwalbe am besten bekannt. 1990 hatte sie zum letzten Mal Modell gestanden und sollte 1991 aus Altersgründen geschlachtet werden. Die Öffentlichkeit war erschüttert. Schwalbe durfte am Leben bleiben und Suchard spendete jährlich 6000 Sfr fürs Gnadenbrot.
Das Mondkalb
Das Schimpfwort Mondkalb stammt aus dem 16. Jahrhundert. Missgeburten von Kühen wurden so bezeichnet, weil man ihre Erscheinung auf schädlichen Mondeinfluss zurückführte. Auch ein menschliche Missgeburt hieß Mondkalb. Es sollte angeblich dadurch entstehen, dass ein Mann nach dem Urinieren mit einer Frau schläft. Diese wird dann mondschwanger, bekommt ein Mondkalb oder “im besten Fall ein blödes Kind”. Noch heute wird ein naiver Mensch oder einer, der sich ein bisschen blöd anstellt, als Mondkalb tituliert.
Ferdinand - der Stier
Obwohl Ferdinand der kräftigste von allen seinen Weidekollegen ist, benimmt er sich gewöhnlich so sanft wie ein Schäfchen. Doch ausgerechnet als Kampfstiere ausgesucht werden, sticht ihn ein Insekt, und er zeigt sich von einer ganz untypischen furchterregenden Seite. Prompt landet er in der Arena von Madrid. Dort ist mit einem friedfertigen Stier, der Blumen liebt, beim besten Willen nichts anzufangen. Ferdinand kehrt auf seine grüne Wiese zurück.
Das Bilderbuch des Amerikaners Munro Leaf (Pseudonym für John Clavert Mann) kam 1937 mit dem Titel “The Story of Ferdinand” heraus. Noch im selben Jahr erschien eine Übersetzung in Spanien. Walt Disney machte einen Zeichentrick-Kurzfilm daraus, 1938 gab es eine Ferdinand-Buchausgabe mit Bildern von Disney unter dem Titel “Ferdinand - The Bull”. Das Buch wurde zum internationalen Bestseller. In Deutschland, wo das starke und friedfertige Rind Symbolfigur für den Jugendbuchpreis Buxtehuder Bulle geworden ist, heißt das Buch einfach “Ferdinand”.